Jeder von uns hat sie
schon gespürt – die Kraft, die von einer Berührung ausgeht. Durch eine
Berührung entsteht ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und
Verbundenheit und - Berührung schafft eine unmittelbare Verbindung
zwischen Menschen. Eine kleine körperliche Berührung, eine Umarmung
tröstet uns, kann uns die Angst nehmen und neuen Optimismus schenken.
Berührt zu werden entspricht einem angeborenen Bedürfnis des Menschen.
Die Haut ist mit etwa 2
Quadratmetern das größte menschliche Organ. Sie ist die Abgrenzung des
Körpers gegen die Außenwelt, aber auch ein großes Sinnesorgan. Unter
der Haut liegen Rezeptoren, die Druck, Wärme, Kälte und Reize über
Nervenbahnen an das Gehirn übermitteln. Wie wichtig die Haut ist,
zeigen beispielsweise schwere Verbrennungen: Ist nur ein Drittel der
Körperoberfläche zerstört, stirbt der Mensch in der Regel.
Aber die Haut ist noch
mehr: Der Tastsinn ist der am frühesten entwickelte Sinn und elementar
notwendig, um Beziehungen und Kommunikation zu anderen Menschen
herzustellen. Die Haut ist also auch Erfahrungs- und Erkenntnisorgan,
denn kein anderes Sinnesorgan ist so eng mit der Psyche verbunden wie
die Haut. „Ein Mensch kann leben, wenn er blind und taub ist, weder
hören noch schmecken kann, aber ohne die Funktionen der Haut ist er
nicht lebensfähig" (Helen Keller). Berührungen sind also
lebenswichtig!
Eine Berührung bewirkt
viele Dinge:
 |
Berührung kann die
Ausschüttung von "Glückshormonen", den Endorphinen anregen
(Endorphin = endogenes Morphin = körpereigenes Morphin). Die
Folgen sind ein allgemeines Wohlbefinden und eine Harmonisierung
der gesamten Körperfunktionen.
|
 |
Durch eine
verstärkte Durchblutung der Haut weiten sich die Blutgefäße und
die Funktion der Haut verbessert sich.
|
 |
Berührungen
regulieren die Atmung und den Wärmehaushalt.
|
 |
Sie regen
den Stoffwechsel an und stärken das Immunsystem.
|
 |
Das vegetative
Nervensystem wird beruhigt - Spannungen werden abgebaut: Dies
bewirkt eine spürbare Beruhigung und Erholung von Körper, Seele
und Geist. |
Berührungen sind Teil
der Körpersprache
Der Tastsinn ist der
allererste Sinn, mit dem Menschen die Umgebung wahrnehmen. Mit Händen,
Körper und vor allem mit dem Mund ertasten Säuglinge ihren Lebensraum.
Durch den Tastsinn kommt das Kind einerseits in Berührung mit der
Welt, andererseits stößt es gleichzeitig an Grenzen. Die Haut ist also
sowohl Verbindung wie auch Abgrenzung. Für jeden Menschen ist dies
eine wesentliche Erfahrung. Die Auswirkungen sind ein Leben lang zu
spüren: Nicht jeder darf uns berühren und nicht jeden lassen wir nahe
an uns heran. Grenzen sind aber nicht immer gleich. Je nachdem, wie
wir uns gerade fühlen, wie unser Tag oder unsere körperliche
Verfassung ist, haben wir ein unterschiedliches Bedürfnis nach Nähe
oder Abgrenzung.
Wir unterscheiden
unterstützende, zärtliche, freundliche, tröstende, liebevolle, intime
oder heilende Berührungen. Sie tun uns einfach gut! Berührungen werden
dabei immer ganzheitlich wahrgenommen: man nimmt den ganzen Menschen
wahr, nicht nur die berührende Hand. Bewusstes Berühren bringt in den
meisten Fällen sofort eine Entspannung. Jede Mutter streichelt ihr
Kind, wenn es sich wehgetan hat und weint. Berührungen wirken
nachhaltiger und tiefer als Worte. Respektvolle und achtsame Berührung
vermag unsere Lebenskraft und unser Selbstvertrauen in jedem Alter zu
stärken und wirkt sich positiv auf unser gesamtes Lebensgefühl aus.
Die Haut ist der Spiegel
der Seele
Die Haut reagiert sofort
auf unsere seelische Verfassung - sei es das schnelle Erröten in
peinlichen Situationen oder das Schwitzen der Hände vor Prüfungen. Die
Verbindung zwischen Haut und Psyche funktioniert aber auch in die
andere Richtung: Schon seit vielen Jahren wird ein Zusammenhang
zwischen psychischen Problemen und Störungen der Haut beschrieben. Zu
diesen Hauterkrankungen gehören vor allem die Neurodermitis, das
Ekzem, die Schuppenflechte, die Nesselsucht und die Akne. Stress als
Auslöser für Hauterkrankungen ist dabei die am häufigsten genannte
Ursache.
Die Gefahr, gegenüber
anderen Sinnesorganen zu verkümmern
Körperkontakte sind
nicht nur in der Kindheit, sondern auch im späteren Leben im
zwischenmenschlichen Bereich wichtig. Wer hat sich nicht schon über
das aufmunternde Schulterklopfen oder über eine herzliche Umarmung
gefreut? Und doch tun wir uns schwer, auf andere zuzugehen. Dabei ist
das Bedürfnis des Menschen nach Berührung angeboren. Je älter wir
Menschen jedoch werden, desto mehr laufen die anderen Sinne dem
Tastsinn den Rang ab und der direkte Hautkontakt geht immer mehr
zurück. Denn wir leben in einer berührungsarmen Gesellschaft.
Eigentlich schade: Obwohl wir ein großes Bedürfnis nach Nähe haben,
gehen wir auf Distanz zu unserer Umgebung, pflegen wenig Hautkontakt.
Und bringen uns damit um wichtige Erlebnisse.
Gründe genug, mal wieder
einen Menschen zu umarmen. Vorbild können unsere Nachbarn in Südeuropa
sein, die sich viel und gerne berühren. Hier gehören Körperkontakte
einfach zur normalen Kommunikation dazu.
Heilung durch Berührung
Seit Menschengedenken
wird Berührung wegen ihrer wohltuenden und heilenden Wirkung als
Behandlungsform benutzt.
Beispiel Shiatsu:
Shiatsu ist eine Form
der Fingerdruck-Massage aus Japan. Mit gleichmäßigen und harmonischen
Bewegungen werden Arme und Beine gedehnt und gelockert. Blockierte
Energie in den Gelenken wird gelöst und Verspannungen abgebaut. Dort
wo die Lebensenergie, das „Chi" frei und ungehindert fließen kann,
sind auch Lebensfreude und Gesundheit.
Beispiel Massage:
Noch vor wenigen
Jahren dachte man nur im Zusammenhang mit einer Krankheit oder einer
Verletzung an Massagen. Heute gilt: Jeder sollte sich ab und zu eine
Massage gönnen, weil sie positiv auf unser gesamtes Lebensgefühl
wirkt. Eine Massage von mind. 15 Minuten Dauer fördert die
Durchblutung und damit die Versorgung der Zellen und erhöht so die
Leistungsfähigkeit. Mehrmalige Massagen erhöhen die Immunabwehr,
Verspannungen lösen sich, Schmerzen werden gelindert oder verschwinden
vollständig. Besonders ratsam sind Massagen für Menschen, die sich
wegen Stress oder Krankheit abgespannt oder schwach fühlen, da die
Massage die Selbstheilungskräfte anregt.